Blick hinter die Kulissen

PS-starke Berufung: Motorrad-Trainer im Fahrzentrum

Stefanie Ruppe
06. April 2022  |   Lesezeit: 6 Min.
Die Leidenschaft für Motorräder begleitet Guido Köppen schon lange - obwohl er erst vor einigen Jahren tatsächlich mit dem Motorradfahren begann. "Mein Vater hatte es mir in der Jugend verboten. Einfach weil bei jungen Männern erfahrungsgemäß oft mehr Kraft als Verstand da ist. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar." Im Laufe der Jahre entschied sich Guido Köppen dann zunächst für das Fliegen von Ultraleichtflugzeugen, bevor er sich mit Mitte 40 wieder auf sein früheres Interesse besann.
Motorradtrainer Guido Köppen

Nur den Führerschein zu machen, war ihm dabei von Anfang an zu wenig: „Fahren lernt man nur durchs Fahren. Und die Risiken, die das Motorradfahren mit sich bringt, waren mir durchaus bewusst. Nur weil man den Führerschein in der Tasche hat, heißt das noch lange nicht, dass man es kann. Das gilt auch für unsere Trainings: Wir können den Teilnehmern Werkzeuge an die Hand geben, aber die eigentliche Arbeit fängt danach erst an.“

In Linthe absolvierte der frisch gebackene Motorradfahrer Guido Köppen in den Jahren 2016 und 2017 diverse Trainings – und legte damit den Grundstein für eine ganz unvermittelte zweite Berufslaufbahn. „Ich war von der Anlage hier begeistert. Ein heutiger Kollege erzählte mir, dass man nach Trainern suchen würde und ob das nichts für mich sei. Zu meinem Interesse, das kurvenreiche Gelände in Linthe langfristig nutzen zu können, kam so ein bisschen früherer jugendlicher Leichtsinn. Nach dem Motto: Das, was mir die Trainer erzählen, kann ich doch sicher auch ganz locker abbilden“, erinnert sich Guido Köppen schmunzelnd. „Das erwies sich natürlich als Trugschluss. Einfach, weil da deutlich mehr dazugehört als das, was man als Teilnehmer so mitbekommt.“

Im Herbst 2017 begann Guido Köppen mit seiner Qualifikation zum Motorradtrainer, die er im Frühsommer 2018 erfolgreich abschloss. Neben umfangreichem theoretischen Wissen zu Fahrtechnik und Fahrverhalten kam vor allem viel Stoff in Sachen Didaktik. „Wie holt man die unterschiedlichen Menschen mit ihren unterschiedlichen Wissensständen ab, wie kann man auf jeden eingehen? Da lernt man wirklich wahnsinnig viel.“ Im Frühjahr 2018 schlossen sich dann die praktischen Trainingseinheiten an, in denen Guido Köppen zunächst als Traineranwärter mitlief, bevor er nach und nach immer mehr Aufgaben selbst übernahm. „Man wechselt die Perspektive, schaut erst aus Trainersicht auf das Geschehen. Dann fängt man an, einzelne Module zu leiten, zum Beispiel ganz klassisch den Technik-Check – also was ist wichtig, bevor man zu einer Motorrad-Tour startet? Später macht man dann die Warmmach-Phase und so weiter … Nach und nach wächst man im engen Austausch mit dem Qualifikationstrainer immer weiter rein.“ Ebenso wie für seine Qualifizierung greift Guido Köppen – der eigentlich mittelständischer Unternehmer ist – für seine freiberufliche Tätigkeit als Fahrtrainer auf seinen Urlaub und seine Wochenenden zurück. „Für mich ist diese Nebentätigkeit nicht dazu da, um Geld zu verdienen, sondern mein Trainer-Beruf ist Freizeit, die mir wirklich Freude macht. Ich bin mit Menschen zusammen, die die Leidenschaft fürs Motorradfahren teilen. Die wenigsten Teilnehmer haben schlechte Laune. Stattdessen kommt echtes Interesse rüber, man stellt sich spannende Fragen und hat gemeinsam eine gute Zeit.“ Vor allem das Kurven-, Perfektions- und Top-Training gehören zu den Favoriten von Guido Köppen: „Da kann man auch als Trainer selbst viel fahren und bekommt ganz viel aktive Rückmeldung von den Teilnehmern, das ist klasse.“ Obwohl er viele Anfragen bekommt, ist er als Trainer schwerpunktmäßig in Linthe aktiv. „Das ist vor allem der günstigen Lage geschuldet. Die Zeit, die ich bei der Anfahrt spare, sitze ich lieber selbst auf dem Motorrad.“ Um das Trainer-Sein wirklich genießen zu können, sollte man einige Dinge mitbringen, unterstreicht der Brandenburger. „Man muss vor einer Gruppe wirken können, das liegt nicht jedem. Dabei geht es nicht nur um die Begeisterung fürs Motorradfahren, sondern auch um non-verbale Kommunikation. Man braucht außerdem eine gewisse Ruhe, denn natürlich fällt beim Motorrad-Training auch mal jemand hin.“ Sein Tipp für alle, die sich für eine Trainer-Laufbahn interessieren: „Einfach mal in Linthe rausfinden, wie gut es um die eigene Pkw- oder Motorrad-Fahrkompetenz bestellt ist. Und dann das Eins-zu-Eins-Gespräch mit jemandem aus dem Trainerteam suchen. Die haben meist ein ganz gutes Gespür dafür, für wen dieser Beruf etwas ein könnte.“

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