Blick hinter die Kulissen

Ganzjährig Glatteis - Alles eine Frage der Beschichtung

Stefanie Ruppe
06. Januar 2022  |   Lesezeit: 4 Min.
Nur wer sein Fahrzeug kennt und sich hinter dem Steuer auf Gefahrensituationen gut vorbereitet fühlt, ist in jeder Jahreszeit entspannt unterwegs. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Glätte in der kalten Jahreshälfte. Darauf bereiten wir unsere Trainingsteilnehmenden mit unseren Gleitflächen vor. Denn verschneite oder vereiste Untergründe bringen selbst geübte Fahrer und Fahrerinnen leicht aus dem Konzept zum Beispiel, wenn im Brandenburger Flachland unvermittelt der "echte" Winter ausbricht oder es für den Urlaub in die Berge geht. Wie aber gelingt es uns, selbst im Hochsommer Schnee- und Eisglätte zu simulieren?
Beschichtete Fläche im Fahrzentrum

Das Geheimnis liegt in der Beschichtung unserer Gleitflächen, auf denen alle Teilnehmenden die kontrollierte Instabilität zum Beispiel beim Bremsen, Ausweichen und Kurvenfahren auf glatten Untergründen in sicherem Umfeld trainieren können. „Wir simulieren auf unseren Gleitflächen ganzjährig winterliche Fahrbahnverhältnisse“, erklärt Betriebsleiter Cornelius Jahn. „Verschiedene Gleitflächen bilden dabei verschiedene Szenarien ab, von der festgefahrenen Schneedecke bis zum Glatteis.“ Auf sechs von zehn Modulen im On-Road-Bereich des Fahrsicherheitszentrum sind diese Gleitflächen zu finden, sie umfassen eine Gesamtfläche von rund 5.000 Quadratmetern. Auf jedem Modul kommen spezifische Beschichtungen zum Einsatz; vier verschiedene wurden insgesamt im FSZ verbaut:

In kurvigen Sektionen ist eine Bitumen-ähnliche Beschichtung zu finden, denn sie weist einen etwas höheren SRT (Skid Resistance Tester) Wert von 30 bis 35 auf. Epoxidharz, PMMA oder die im Fahrsicherheitszentrum am häufigsten eingesetzte PU-Beschichtung sind glatter, ihr SRT-Wert liegt zwischen 20 und 25.

Alle sechs bis acht Jahre müssen die Gleitflächen von einem Expertenteam aufwendig überarbeitet werden. Allein für die größte Fläche, die für sich genommen bereits 1.400 Quadratmeter ausmacht, fallen Kosten von mehreren zehntausend Euro an. Doch die Investition lohnt sich: Alle Gleitflächen haben ganzjährig dieselben Reibwerte und ermöglichen den Trainingsteilnehmenden, zu jeder Jahreszeit ein Gefühl für das richtige Fahrverhalten bei Glätte oder in anderen simulierten Szenarien zu entwickeln. Auf allen Spezial-Flächen können bei geringerem Ausgangstempo Notfahrt-Manöver so sicher wie möglich erlebt und trainiert werden. Zunächst beginnen alle Fahrenden auf herkömmlichem Asphalt, wo das Bremsen bei trockenem und nassem Untergrund geübt wird. „Danach geht es weiter auf unsere Gleitflächen – und das sorgt immer für einen besonderen Aha-Moment. Denn der Bremsweg und das Fahrzeughandling verändert sich enorm. Der Effekt verändert sich zusätzlich, je nachdem, ob Sommer- Ganzjahres- oder Winterbereifung aufgezogen ist“, so Cornelius Jahn. Ideale Trainingsbedingungen also, um ohne messbare Reifenabnutzung die Fahrzeugbeherrschung und den Kontrollgewinn zu üben. Im speziellen unterstützen die Gleitflächen außerdem, welche wesentliche Rolle Reifen zur Sicherheit beitragen.

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