Blitzeis & Reifglätte: So reagieren Sie richtig

Kurz erklärt: Blitzeis und Reifglätte
Blitzeis entsteht, wenn Regen auf eine unterkühlte Fahrbahn trifft und sofort gefriert. Die Straße wirkt dabei nass, ist aber spiegelglatt.
Reifglätte bildet sich meist in den frühen Morgenstunden: Feuchte Luft setzt sich auf der Fahrbahn ab und gefriert zu einem feinen, matten Film.
Warnzeichen und typische Stellen
Achten Sie auf „nassen“ Glanz ohne Spritzwasser, milchig-matte Streifen am Fahrbahnrand und ungewöhnlich leise Reifengeräusche. Besonders heikel sind Brücken, schattige Alleen, Senken, Abschnitte an Gewässern sowie offene Feldstrecken. In der Stadt sind Auf- und Abfahrten, Parkhausrampen und Fahrbahnfugen tückisch.
Tempo und Abstand: mit Puffer unterwegs
Reduzieren Sie das Tempo frühzeitig und halten Sie deutlich mehr Abstand als gewohnt. So gewinnen Sie Handlungsspielraum, falls es glatt ist. Vermeiden Sie hektische Manöver: gleichmäßig bremsen, sanft lenken, ruhig beschleunigen.
Spurrillen und Schneematsch
In Spurrillen sammelt sich im Winter oft Wasser oder Schneematsch. Dadurch kann der Kontakt der Reifen zur Straße kurz nachlassen, und das Auto fühlt sich für einen Moment „leicht“ oder schwammig an. Bleiben Sie dann ruhig, halten Sie das Lenkrad gerade und reduzieren Sie das Tempo sanft. Wenn sich das Lenkrad plötzlich leichter anfühlt oder das Auto nicht mehr so präzise reagiert, vergrößern Sie den Abstand und fahren Sie gleichmäßig weiter.
Spurwechsel sollten Sie bei Schneematsch nur machen, wenn die Strecke frei und gut einsehbar ist. Lenken Sie dabei sanft und ohne ruckartige Bewegungen, damit das Auto stabil bleibt.
Kurven: Blick und Linie
Gehen Sie vor der Kurve vom Gas, lenken Sie früh und gleichmäßig ein und richten Sie den Blick zum Kurvenausgang. Auf glattem Belag lassen Sie das Auto durch die Kurve rollen und beschleunigen erst danach wieder behutsam.
Wenn das Auto ins Rutschen kommt
Bleiben Sie ruhig, nehmen Sie sanft Gas weg und vermeiden Sie abrupte Korrekturen. Bremsen Sie erst dann etwas stärker, wenn Sie möglichst ohne Lenkeinschlag rollen. Regelt das ABS, halten Sie den Pedaldruck konstant und lassen Sie das System arbeiten. Große, hektische Lenkbewegungen machen das Auto instabil – kleine, ruhige Korrekturen helfen, in der Spur zu bleiben.
Anfahren und Steigungen
Auf Eis oder festgefahrenem Schnee ist weniger oft mehr. Starten Sie möglichst sanft und lassen Sie das Auto ruhig anrollen. Wenn Ihr Fahrzeug einen Schalter für „Winter/Snow“ hat, nutzen Sie ihn – das Auto fährt dann von selbst weicher an. Oft hilft es auch, im zweiten Gang loszufahren: Die Räder drehen dann weniger leicht durch. Merken Sie, dass die Räder durchdrehen, nehmen Sie kurz Gas weg und lassen Sie das Auto erneut ruhig anrollen. Geben Sie nur so viel Gas, dass die Räder gleichmäßig greifen und das Fahrzeug ohne Ruckeln vorwärtskommt.
Nur wenn Ihr Auto trotz vorsichtigen Gasgebens gar nicht anrollt (zum Beispiel in tieferem Schnee), kann es ausnahmsweise sinnvoll sein, die Traktionskontrolle kurz auszuschalten – sobald das Fahrzeug wieder fährt, schalten Sie sie direkt wieder ein.
Morgenroutine bei Reifglätte
Machen Sie vor dem Losfahren alle Scheiben, Leuchten und Sensoren frei. Trocknen Sie Ihre Sohlen ab, damit Sie die das Gaspedal besser dosieren können. Wischen Sie Spiegel und den Kamerabereich kurz ab. Und machen Sie nach dem Anfahren auf freier, gerader Strecke bei sehr geringer Geschwindigkeit eine vorsichtige Bremsprobe – so merken Sie sofort, wie viel Haftung die Straße heute bietet.
30-Sekunden-Check
- Reifen: Achten Sie auf Winterreifen mit Alpine-Symbol. Prüfen Sie außerdem, dass das Profil noch mindestens 4 mm hat.
- Luftdruck: Bei Kälte sinkt der Reifendruck leicht – deshalb öfter prüfen und, wenn er unter dem Herstellerwert liegt, wieder auf den empfohlenen Wert bringen.
- Wischer/Spritzwasser: Kontrollieren Sie Frostschutz und Spritzdüsen.
- Leuchten/Sensoren/Kameras: Halten Sie Leuchten, Sensoren und Kameras sauber – auch hinten.
- Im Auto: Halten Sie Eiskratzer, Handschuhe und ein Tuch gegen Beschlag griffbereit.
Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Zu hohes Tempo in der Kurve: Viele unterschätzen, wie wenig Halt die Reifen auf Glätte in der Kurve haben. Reduzieren Sie das Tempo deshalb vor der Kurve deutlich und lassen Sie Ihr Auto in der Kurve nur rollen. Beschleunigen Sie erst wieder am Kurvenausgang – sanft und kontrolliert.
- Hektische Spurwechsel: Rillen und Kanten können das Auto auf Glätte leichter aus der Spur bringen. Wechseln Sie die Spur deshalb nur, wenn es wirklich nötig ist – dann mit ruhigen, sanften Lenkbewegungen und gleichmäßigem Tempo.
- „Nachdrücken“ am Berg: An Steigungen hilft auf Glätte „mehr Gas“ nicht weiter – die Räder drehen dann eher durch. Besser ist es, sanft anzufahren, möglichst im zweiten Gang (oder im Wintermodus der Automatik) und das Gaspedal nur ganz vorsichtig drücken, bis das Auto sauber anrollt.
Fazit
Wer Glätte früh erkennt, Tempo und Abstand anpasst und ruhig reagiert, kommt auch bei Blitzeis und Reifglätte sicher ans Ziel. Mit vorausschauender Fahrweise und ein paar einfachen Handgriffen lassen sich auch kritische Situationen deutlich sicherer meistern.
P. S.: Unser Tipp für die Praxis: Trainieren Sie Bremsen, Ausweichen und Blickführung auf glattem Belag – unter sicheren Bedingungen und mit professioneller Anleitung. Buchen Sie jetzt einen Termin für ein Pkw-Training an unseren Standorten Linthe oder Oberkrämer.
Ausblick: Im nächsten Beitrag lesen Sie „Autobahn im Schneetreiben: Spurwahl, Abstand, Schneematsch-Aquaplaning“ – mit klaren Tipps, worauf Sie bei winterlichem Verkehr auf der Autobahn besonders achten sollten.